André Hoffmann, great-grandson of company founder Fritz Hoffmann-La Roche and Vice-Chairman of the Board

"Kein Mensch kann den Klimawandel leugnen"

Published 27 January 2020

André Hoffmann, Urenkel des Firmengründers Fritz Hoffmann-La Roche und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats

Sie sagten kürzlich in einer Rede, Sie verstehen, dass die Klimaaktivisten Panik verbreiten. Haben Sie selbst Angst um die Zukunft Ihrer Kinder und Enkel?
Wenn ich mir anschaue, was wir machen müssten, um das Ruder herumzureissen, dann empfinde ich schon einen gewissen Respekt vor der grossen Herausforderung, denn es passiert viel zu wenig. Zugleich habe ich auch Hoffnung, denn unter diesem grossen Zeitdruck sind wir endlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen und konkret zu handeln.

Treffen Sie noch auf Menschen, die den Klimawandel leugnen?
Kein Mensch, der die Fakten sieht, kann den Klimawandel leugnen. Leute, die das tun, verteidigen bloss ihre eigenen Interessen.

Das heisst, jeder Einzelne trägt Verantwortung?
Ja, jeder muss seinen Beitrag leisten und seine Lebensgewohnheiten Schritt für Schritt ändern – zum Beispiel weniger fliegen, keine Plastikflaschen verwenden …

Wo steht Roche in puncto Nachhaltigkeit?
Ich bin sehr stolz auf Roche. Wir haben sehr viel erreicht in den letzten zehn Jahren. Und die Leute machen das nicht nur, weil es ihnen von oben auferlegt wird, sondern weil sie selber überzeugt sind. Kürzlich habe ich die EcoLogicals in Basel getroffen, sie haben den Mut, wirklich etwas zu verändern. Das hat mich beeindruckt.

Was muss sich grundsätzlich ändern an unserem Wirtschaftsmodell?
Die Wurzel des Übels ist die kurzfristige Profitmaximierung, die spätestens mit der Finanzkrise 2008 offenkundig geworden ist. Mein Ziel ist es, dass unser Unternehmen nicht auf Kosten, sondern in Einklang mit der Natur und der Gesellschaft handelt und wächst. Die Menschen bei Roche müssen wissen, dass wir nicht nur da sind, um Geld zu verdienen, sondern um Patienten zu helfen, und zwar auf eine nachhaltige Weise.

Sie selbst sind enorm aktiv im Umweltschutz. Wer hat Sie geprägt?
Mein Vater Luc Hoffmann war Zoologe und Ornithologe und hat sich im Naturschutz engagiert. Er war Gründungsmitglied des WWF und dessen Vizepräsident von 1961 bis 1988. Als Vorbild hatte er einen grossen Einfluss auf mich. Ausserdem denke ich vor allem an zwei Menschen im Geschäftsbereich: Paul Polman, der ehemalige CEO von Unilever, der mit der UNO die SDGs* begründet hat. Und Anton Rupert, ein südafrikanischer Industrieller und Philanthrop, der gegen die Apartheid gekämpft hat. Für mich als Jugendlicher war das eine wichtige Einsicht: dass man gegen den Mainstream handeln und trotzdem im Recht sein kann.

Treten Sie an die Öffentlichkeit, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen?
Ja, denn es geht nicht um mich, sondern um die Frage: Wie kann ich einen Beitrag leisten zur Lösung der grössten Krise, die wir Menschen je hatten? Ich möchte, dass Roche als eines der bedeutendsten Pharmaunternehmen der Welt mit gutem Beispiel vorangeht. Das ist mir wichtig. Und das werden wir auch machen (schlägt voller Überzeugung auf den Tisch).

*Die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, sind politische Zielsetzungen der UNO, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen. André Hoffmann bekennt sich auch durch einen Pin am Revers zu den SDGs.

André Hoffmann kurz und bündig

1. Greta.
Ich habe Sympathie für sie. Ich finde gut, dass sie so erfüllt ist von dieser guten Sache.

2. Pariser Klimagipfel.
Ein Erfolg. 190 Länder haben unterschrieben. Madrid 2019 war aber nun ein Rückschlag.

3. Artensterben.
Tragisch. Jedes Artensterben ist endgültig.

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